Über Uns "Der Farbklecks"

Sich selbst zu beschreiben ist immer schwierig, darum lassen wir es jetzt mal andere tun. Dieser Artikel erschien 2018 anlässlich unseres 30-jährigen Jubiläums in der NRZ und fasst unsere Geschichte, unsere Ideen und Vorstellungen schön zusammen. Viel Freude beim Lesen...

"Der Farbklecks in Duisburg feiert 30-jähriges Jubiläum" - von Ulla Saal

Die Wunderkammer für Kunst, Kitsch und Schönes schaut auf eine bewegte Geschichte in Duisburg zurück. Am 23. September wird gefeiert. Reisebüro oder Büromaschinen? Ulrike Thelen fiel die Entscheidung 1988 nicht schwer, ob sie das Geschäft ihres Vaters oder das ihrer Mutter übernehmen sollte. „Ich als Alt-68erin konnte doch keine Luxusreisen verkaufen“, war ihr Standpunkt. Also leitete sie fortan den von ihrem Großvater Adolf König gegründeten Betrieb für Druckmaschinen, der auch Großkunden wie Mannesmann und Demag belieferte. Auch weil sie eine Chance sah, in dem Laden auf der Königstraße 61 zumindest ein kleines Eckchen für Farben, Pinsel und anderen Künstlerbedarf abzuzwacken. Gern hätte sie nach der Schule Kunst studiert, sagt sie: „Aber weil ich zu schlecht war, bin ich nach der mittleren Reife ab- und zu einer Werbeagentur gegangen.“ 1988 stand besagte Entscheidung an, und mit ihrer Wahl legte Ulrike Thelen die Keimzelle für ein Geschäft, das nicht nur in Duisburg einzigartig ist – den „Farbklecks“. Am Sonntag, 23. September, feiert der sein 30-jähriges Bestehen. Da wird es ziemlich eng werden in dem kleinen Laden an der Friedrich-Wilhelm-Straße. Denn: Die 30 Jahre „Farbklecks“ waren und sind so prall gefüllt mit Kunst und Kreativität, mit Begegnungen und Leben wie manch 100-jährige Geschichte anderer Betriebe nicht.

doc71zc7vagtxf1en8ad9g0-MASTERAktionen und Ausstellungen

Einige Zeit, nachdem Ulrike Thelen den mütterlichen Betrieb übernommen hatte, wurde ihr klar, dass sie sich für diese Selbstständigkeit nicht krumm arbeiten wollte. Sie mietete auf der Hohe Straße Räume an, packte alles ein, was das Malerherz erfreut, und zog um. Den Weg konnte sie gar nicht verfehlen, denn in einer spontanen Aktion hatten Kunden und Freunde die Königstraße vom Mercatorhaus bis zum neuen „Farbklecks“-Domizil mit Bildern von der kleinen Königin (Anspielung auf den Großvater) und ihrem Terrier Emily bemalt. „Das war eine tolle Aktion, aber ich hatte auch Bammel, wegen der Pflasterbemalung verhaftet zu werden, denn die Bilder haben sich lange gehalten“, gesteht Thelen.

Exponate an Wäscheleinen geklammert

Diese Aktion sollte nicht die einzige bleiben in der Geschichte des „Farbklecks“. Der neue Laden, der Waren aller namhaften Künstlerbedarfsproduzenten anbot plus Rahmenwerkstatt, zog Kunstliebhaber und Künstler magisch an. Dazu gehörten auch Andy Hellebrand, Ulrike Hoffmann, Dieter Kulsdom, Etienne Szabo und Thorsten Herbst, die als Duisburger Künstlergruppe X einen der gläsernen Schaukästen auf der Königstraße mit einer skurrilen Klanginstallation bestückten, bei der vier trommelnde rosa Plüschhasen eine wichtige Rolle spielten. Ulrike Thelen lud damals zu dieser Ausstellung ein. Viele weitere folgten. Nach dem Motto „Platz ist auch im kleinsten Laden“ bestückte Ulrike Thelen regelmäßig den Farbklecks mit Ausstellungen und zur Not wurden die Exponate auch mal mit Wäscheklammern an Leinen aufgehängt.

doc71zp61g8e8n9x1zjyr5-MASTER-1444Fundgrube und Kult

All das hat den „Farbklecks“ zu dem Laden gemacht, der er letztlich nach einem erneuten Umzug 2006 an die Friedrich-Wilhelm-Straße geworden ist – eine Wunderkammer voller Überraschungen, edler Papiere, witziger Wohnaccessoires, außergewöhnlicher Dekorationsartikel und einem sich ständig wandelnden Sortiment gepaart mit den nach wie vor hochwertigen Rahmen, Farben und Pinseln für den Künstlerbedarf. Eine Fundgrube und Kult für jeden, der Zweckfreies, aber Sinnvolles – nämlich Schönes liebt. Ulrike Thelen trifft man nur noch selten im „Farbklecks“ an, denn seit Beginn des Jahres hat Moritz Besel das Geschäft übernommen. Er half als 15-jähriger Schüler schon in dem Laden. „Ich ahnte damals nicht, dass er kam, um zu bleiben“, sagt Ulrike Thelen. Doch irgendwann erkannte sie, dass sie in Besel einen Seelenverwandten gefunden hatte. Mit ihm geht der „Farbklecks“ neue Wege und bleibt – wie in seiner 30-jährigen Geschiche – weiter in Bewegung.

doc70r24clrv7sxyiosqyz-MASTER-2Verlag Goldauge gegründet

Im Alter von 70 Jahren ist Ulrike Thelen noch unter die Verleger gegangen. Zusammen mit Moritz Besel hat sie 2014 den Verlag Goldauge gegründet. Bislang erschienen sind dort das Buch „Die Stadtmaus und die Landmaus“ und die Erzählsammlung „Geschichten und Sagen aus dem Ruhgebiet“.